Bayrischer Jodlerwahnsinn 500m VIII E 3

DE/ Berchtesgadener Alpen/ Hoher Göll 2522m Westwand

sehr schöne aber auch anspruchsvolle Route im Dornröschenschlaf

vielleicht das Herzstück der Tour: Sl 2; 7+
vielleicht das Herzstück der Tour: Sl 2; 7+

Diese Route wurde 2012 erstbegangen und findet sich in noch keinem Kletterführer, lediglich auf der Seite von Markus Stadler gab es Informationen dazu. Entsprechend selten wurde sie bisher begangen, zu Unrecht finden wir! Im Wandbuch stehen einige wenigen Wiederholungen in 2013 und 2019, ansonsten ruht diese wohlgemerkt traumhafte Tour im Dornröschenschlaf. Bis zum 13. Juni 2020, als Lukas und ich uns die Route vornahmen, gefolgt von einer weiteren Seilschaft. Zufälle gibts...

 

Eigentlich schreibe ich keine Berichte zu stark frequentierten Routen, um nicht selbst Schuld an den ungewollten Staus zu sein. Da dies hier jedoch nicht zutrifft, möchte ich diese Route klar empfehlen! Der Fels ist noch nicht restlos ausgeräumt und so rau, dass sie sicherlich kaum abgespeckt wird. Es sind wirklich noch einige Begehungen nötig, dann wird es noch besser.

 

Hier nun ein Wandbild und eine überarbeitete Bewertung. Unserer Meinung nach ist die Route härter und deutlich anspruchsvoller als die benachbarte Wunderwelt.

 

Routencharakter:

Steile, anspruchsvolle aber traumhafte Rissverschneidungs- und Plattenkletterei in gutem Fels mit brüchigen Stellen.

 

Sl 1; 7; im Hintergrund ein Kletterer im "Jubiweg"
Sl 1; 7; im Hintergrund ein Kletterer im "Jubiweg"

Absicherung:

Die Tour ist in den schweren Längen gut mit Bohrhaken, in den leichteren Längen in weiten Abständen gesichert. Friends mittlerer Größe zur zusätzlichen Absicherung empfehlenswert. Die 7+ Passage von Sl 3 liegt genau zwischen den BH und muss mit Camalots selbst abgesichert werden (nach dem Motto: rotpunkt oder absichern, für beides hatte ich nicht genügend Ausdauer). Die Standplätze bestehen aus 2 BH (Ausnahme: der letzte Stand nach Sl 8 besteht nur aus einer SU.)

 

Facts Bayrischer Jodlerwahnsinn: E 3; VIII; VII+ oblg.; 9 Sl; 250m; Doppelseile; 10 Exen; Cams; Schlingen; EB: Franz Mitterer, Xaver Mittermayer am 9.8.2012 nach Vorarbeiten 

Einstieg:

Vom Standplatz mit der Tafel nach der 9. Seillänge des "Jubiläumswegs" rechts über eine Rippe zu gut sichtbaren Bohrhaken unterhalb des gelben Wandbereichs.

Die Linie ist schon vom Parkplatz aus sichtbar, sodass man die Verhältnisse auschecken kann.

  

Hinweise:

Insgesamt in der Länge nicht zu unterschätzen - besonders da es erst oben richtig schwer wird. Den "Jubiweg" sollte man recht flott hinaufjoggen können, um in der eigentlichen Tour seinen Spaß zu haben. Allerdings ist diese Einsteigerroute sehr stark frequentiert und das von oft langsamen Seilschaften. Bei Stau am Einstieg kann man (seilfrei) über die "Alte West" die ersten ein, zwei oder drei Seillängen des "Jubiwegs" umgehen und sich so die Poleposition sichern.

 

Diese Westwand ist ab Mittag komplett in der Sonne, die SSL dank Nordwestausrichtung erst später, genügend Trinken mitnehmen!

Zustieg über den "Jubiweg", hier die SSL 6-
Zustieg über den "Jubiweg", hier die SSL 6-

Abstieg:

Vom letzten Stand an einer SU noch eine Sl weiter durch Latschen zur Trichterwies. Von dort orografisch rechts eine Art Rinne hinunter zu einem Abseilring (gelbe Markierungen), von dort 30m abseilen, dann seilfrei die Rinne (vorbei an einer gefädelten SU) zum letzten Stand des "Jubiwegs" und über diesen ca. 8x abseilen. Achtung, keinen Steinschlag auslösen! Der "Jubiweg" ist permanent Steinschlag ausgesetzt.

Ein Abseilen über den "Bayrischer Jodlerwahnsinn" ist aktuell nur bis zur 6ten Sl möglich, außerdem sind 60m Doppelseile nötig und aufgrund der Latschen der 4ten Sl ist man nicht unbedingt schneller.

 

unsere Bewertungen wie folgt:

Sl 1: 20m mit 4 BH (griffige Querung)

Sl 2: 30m 7+ mit 8 BH (traumhaft, steil)

Sl 3: 40m 7+ mit 7 BH (plus Cams)

Sl 4: 30m 3 mit 1 SU (Rechtsbogen)

Sl 5: 40m 5 mit 3 BH (Plattenrunout)

Sl 6: 30m mit 6 BH (super gesichert)

Sl 7: 30m 7 mit 4 BH (etwas brüchig)

Sl 8: 40m 7- mit 4 BH (heikel zum BH)

Sl 9: 30m 3 (durch Latschen, bisher keine Gasse)

 

am 13. Juni 2020 flash geklettert mit Lukas Hertlein (dank seinem Vorstieg der SSL)

 

 

Eine Wahnsinnstour! Ein Wunder, dass es durch die super steilen Wandpartien so griffig durch geht! Kompliment an die Erstbegeher! Das Wandbuch war leider komplett nass.

Bis (inklusive) der SSl sind alle Seillängen super schön und

gut gesichert. Die Seillänge danach ist leider brüchig. Dort sind einige Schuppen/lose Steine und wir mussten echt aufpassen, nichts auf die Seilschaft hinter uns zu werfen. Eigentlich sollte man das mal ein bisschen ausräumen, aber das geht halt nur, wenn niemand unten im "Jubiweg" etc. klettert (kommt vielleicht nicht so oft vor...)

 

Die letzte Seillänge ist schlechter als E2+ abgesichert. Zum ersten BH ist es weit und das Sturzgelände nicht gut. So kurz vor dem Ziel sollte man nicht leichtsinnig werden!

Sl 2; 7+;Danke an Alex und Stefan fürs Foto!
Sl 2; 7+;Danke an Alex und Stefan fürs Foto!
Sl 1; 7; kurze, sehr schöne Querung zum Stand
Sl 1; 7; kurze, sehr schöne Querung zum Stand
fast geschafft, unten die Scharitzkehlalm
fast geschafft, unten die Scharitzkehlalm

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