Grundübelhorn Südverschneidung 400m VIII- E 4-

DE/ Berchtesgadener Alpen/ Grundübelhorn 2089m Südwand

wilde und einsame Pausetour -im extremen Fels- mit langem Zu- und Abstieg

Spätestens nach unserer Begehung der benachbarten Mühlsturzhorn Südkante waren wir motiviert, die alpinste der drei Pausetouren in den Berchtesgadenern zu klettern. Genau genommen an der Reiteralpe. Diese von Norden mit dutzenden Sportkletterrouten erschlossene Mauer ist auf der Rückseite, der Südseite noch sehr wild und einsam geblieben. Der Fels ist je nach Route meist bombastisch, jedenfalls NICHT wie auf der Nordseite - ultra rau-!

 

Bereits im Zustieg wird klar, dass die Tour länger ist als gedacht. Schwieriger und alpiner als auf dem Papier ist sie sowieso, dies haben Lukas und ich etwas unterschätzt. Wenige Minuten nach dem Abzweig vom Wanderweg gilt es, linkerhand den steilen Wald hinauf Steigspuren zu finden und nicht wie wir die steile, schrofige Kiesgrubenschlucht kurz darauf "abzukürzen". Auf diese erheblich zeitaufwendigere Zustiegsvariante passt definitiv die Beschreibung "im extremen Kies", Gras, Bruch und Fels gibt es ja bereits.

Nach diesem saudummen Verhauer wandert man sehr idyllisch über einen Waldgrat weiter. Immer wieder wechseln sich deutliche Steigspuren mit vom Schnee plattgedrücktem Gras und Laub ab - stellenweise sehr rutschig!-. Weiter durch freigeschnittene Latschengassen und mehrere Rinnen (bei uns Schneefelder) im Auf und Ab queren - das zieht sich!-. Irgendwann kurz nach einem Biwakplatz erreicht man die Gedenktafel (Einstieg der Südkante).

 

Rechts der Tafel startet man und klettert relativ weit nach links ziehend im Zick-Zack(phänomenale Wegführung im vierten Grad) auf das große Einstiegsband mit der markanten Verschneidung. 3BH, einige NH und Sanduhren. Traumhaft schön. 3-5 Seillängen. Der Zustieg über die Rinne ist absolut nicht zu empfehlen, wenn nicht sogar unmöglich.

 

Beeindruckt stehen wir unter dieser gewaltigen Linie. Zum Glück verlässt man nach 2 Sl den stark überhängend werdenden Riss nach links.

 

 

Vorher jedoch muss man sich erstmal durch zwei Risskamine quetschen, die für 5+ sehr hart bewertet sind und sich nicht immer absichern lassen. Die folgende, abzukletternde Plattenquerung nach links empfand ich schwieriger als 6+ (klassisch A1), einige sehr wacklige Schlaghaken sorgen für Adrenalin. Wir machten kurz darauf Zwischenstand, bevor Lukas die kurze Rissverschneidung in Angriff nahm. Am Stand unter der Schlüssellänge steckt ein neuer Bohrhaken, weswegen ich mich sicher genug fühlte um die Länge durchzusteigen. Früher ebenfalls A1 bewertet, geht es vom Stand weg über einen splittrigen Überhang in einen steilen Riss über. Hier stecken nur ganz wenige Haken, es lässt sich aber super mit Friends absichern. Nur muss man sich entscheiden, ob die Kraft zum absichern noch reicht. Nach wenigen Metern wird es aber schon flacher und man kann einen möglichen Zwischenstand beziehen, bevor es über eine plattige Wandstelle (hart 7, 5 neue BH) links hinauf leichter werdend zum Ende des spektakulären Wandteils geht. An diesem Stand finden sich nochmal 6 BH, die alle von einer Rettungsaktion in der Schlüssellänge 2017 stammen.

Es folgen noch einige Seillängen im 4-5ten Grad bis zum Grat. Über diesen erreicht man in ca. 30min meist rechts haltend den Gipfel.

 

Da in diesem Jahr besonders viel Schnee liegt, seilten wir 5mal orografisch rechts haltend hinunter. Dort angekommen, folgten wir einigen Skispuren, dank denen wir problemlos den Klettersteig fanden, der uns den richtigen Weg zeigte. Dank der Schneefelder waren wir schneller wie im Sommer, man sollte also 3-4h für den Abstieg einplanen.

 

Die Verhältnisse in der Wand waren perfekt, gerade im Frühjahr wo es noch nicht zu heiß ist. Der Abstieg ohne Schnee z.B. im Herbst geht sicherlich besser, dann sind die Tage jedoch sehr kurz, was bei dieser langen Tour ein wichtiger Faktor ist. 

 

Zustieg: 2,5h

Sockel: 1,5h

Route: 4-6h

Grat: 0,5h

Abstieg: 3h

 

Fazit: Viel alpiner als gedacht. Lukas konnte nach längerer Pause noch nicht schwer klettern, geschweige denn vorsteigen. Ich habe zuvor nicht geschlafen und war angeschlagen. Dennoch wurde ich mit einem Onsight belohnt, was ich aber auch den zwischenzeitlichen Bohrhaken zu verdanken habe. Respekt an die Erstbegeher!

Topo auf Anfrage!