Agner Nordkante Gilberti-Sorvasuti 2000m VII- E 4

IT/ Pala/ Monte Agner 2872m Nordkante

Longline a la Dolomiten - klassisch, alpin und keine Bohrhaken

die Länge vor der SSl, toller Fels, ca. VI-
die Länge vor der SSl, toller Fels, ca. VI-

Endlich mal was richtig langes!

Eine der längsten Felsfahrten der Dolomiten.

 

...Parkplatz, Zustieg und Einstieg der Agnerkante sind leicht zu finden (Schilder; zuerst rote, dann gelbe Punkte; zuletzt Steinmänner). Ca. 60-70min.

 

Die ersten 5 Seillängen kletterten wir noch seilfrei mit Stirnlampen und Zustiegsschuhen. Gut machbar, sofern der grasdurchsetzte Fels trocken ist. Es folgt ein recht neuer Ausbruch mit viel Sand und Schutt, lieber rechts daran vorbei. Hier haben wir zwei Längen zu einem abgestorbenem Baum hoch gesichert. Seilfrei weiter, hier wieder deutliche Spuren zu einem (viel zu frühen) Biwakplatz und durch enge Latschengassen auf den ersten Absatz.

2 Stunden bis hier.

Der Kante über steilen henkligen Aufschwung folgen. Wer hier keine Gasse findet, hat ein Problem! 

rechts der Bildmitte ums Eck gehts weiter...
rechts der Bildmitte ums Eck gehts weiter...

Vom Ende des "Waldes" nach links absteigend um die Kante queren. 100m am langen Seil (2 Sl) gegangen zu steiler Wand. Geht noch mit Zustiegsschuhen, aber sichern, da brüchig.

Nochmals durch dichte Latschen, dann leichtes Gelände seilfrei weiter zu mehreren Biwakplätzen, sehr schön. 4 Stunden bis hier.

 

Unter den steilen Türmen nach rechts ums Eck queren zu Kaminreihe. Ab hier mit Kletterschuhen. 1 Sl traumhafte Rissverschneidung, 1 Sl originell unter Klemmblock hindurch. 1 Sl leicht nach links. 1 Sl steile Rissplatte an der Kante. 1 Sl genussreich an Kante weiter.

 

Hier trifft uns der Schlag, vor uns befinden sich 4 Seilschaften. Was dauert denn da so lang? Wie sich später herausstellte waren es 6 französische Bergführeranwärter und eine uns sogar bekannte bayerische Seilschaft.

... nämlich hier, Richtung Klemmblock
... nämlich hier, Richtung Klemmblock

1 Sl weiter zu riesigem Köpfl in Scharte. Von dort 1 Sl Spreizschritt und den Grat weiter. Mittlerweile toller, kompakter Fels und richtig schöne Kletterei!

 

In 2 SL rechts der Kante an gutem Biwakplatz vorbei. Bis hier 6h45, wir machten erstmal eine ausgiebige Pause, um in der Headwall nicht warten zu müssen. Uuups, und nahmen das zweite Halbseil aus dem Rucksack, welch unnötiges Gewicht.

 

steiler Aufschwung nach dem 1. Absatz; ca. IV
steiler Aufschwung nach dem 1. Absatz; ca. IV

In 2 Sl durch traumhaften, endlich mal schwierigen Riss rechts ansteigend auf eine Art Turm (lieber in 3 Sl wegen Seilreibung!). Die Sonne hat uns nun eingeholt (da wir so früh und schnell unterwegs waren, bekamen wir keine Sonne ab und es war richtig frisch, ab dem Nachmittag kann es in der Route richtig heiß werden, wer also biwakiert sollte genügend Wasser einplanen.)

 

Nun wird es ernst, die SSL. ...nicht von den vielen Schlingen verwirren lassen, sondern rechts ums Eck ist ein perfekter Riss mit einigen Haken und Holzkeilen, in dem man sich mit Cams gut anfreunden kann. So fußlastig die gesamte Tour bisher war, so anstrengend wurden diese wenigen Meter! Der Riss in der nächsten Länge ist auch nochmal ein strammer 6er. Total gepumpt von den beiden schweren Längen klettern wir noch zwei lange, steile dafür griffige Seillängen ins leichtere Gelände. Hier traumhafter, kompakter, löchriger Palafels, Genuss pur, wer noch kann.

 

über diesen Spalt macht man einen Spreizschritt
über diesen Spalt macht man einen Spreizschritt

Ab hier wieder seilfrei rechts haltend auf das Geröllband und über den Klettersteig auf den Gipfel.

 

Am Gipfel haben wir dann noch einen erschöpften Rumänen getroffen, der unseren Plan, gemütlich in der Biwakschachtel zu übernachten, über den Haufen worf. Mittlerweile sind wir 12h unterwegs, da es aber noch ganze 3 Stunden hell ist, steigen wir mit dem Klettersteiggeher im Kriechtempo ab und halfen ihm über den Cannelloni Steig hinunter bis nach Frassene zu seiner wartenden Frau ...?!...

 

Als Dank chauffierten sie uns noch zu unserem Auto nach Col di Pra zurück, alternativ Radldepot in Frassene. So waren wir super glücklich, diese Gewalttour an einem Tag gemacht zu haben. Und eine gute Tat haben wir auch vollbracht...

die steile SSL gaaaanz oben, VII-
die steile SSL gaaaanz oben, VII-

Beschreibung:

Wir sind den Großteil (ca. bis IV+ UIAA) seilfrei gegangen und haben 18 Sl (mehrmals bis VI-; SSl VII-) gesichert. So waren wir entsprechend schnell. Wer sich in diesem Grad nicht wohl fühlt und sichern muss, sollte unbedingt ein geplantes (Traum-)biwak an der 2.  oder 3. Kante einplanen, denn dann können es auch 60 Seillängen werden!  Zusätzlich gibt es einige Verhauermöglichkeiten, die ebenfalls etliche Stunden kosten können, wodurch die riesige Wand zum Horror werden kann.

Ein Abbruch ist ab der 1. Kante fast nicht mehr möglich! Man muss sich seiner Sache also sehr

sicher sein, die angegebenen Schwierigkeiten inkl. selber absichern souverän beherrschen, ein stabiles Hochdruckwetter abwarten und RENNEN ;)

 

Von der Biwakschachtel (sehr guter Zustand) Abstieg in 3-4h, man sollte dafür noch 1-2h Tageslicht haben.

 

 

Unser Material: 50m Seile; 10 Exen; Cams #0,5 bis #2; Keile; Schlingen; Hammer und Haken; Schlafsack; Biwaksack; Stirnlampe; 3,5l Trinken. Es stecken nur wenig Haken. Standplätze und Zwischensicherungen müssen größtenteils selber gebaut werden, was aber oft gut möglich ist.  

 

 

Wir schauten nur wenig in das sehr gute Topoguide Topo, da der Wegverlauf logisch ist. Orientierung am Pause Wandbild, zusätzlich markante Stellen abzeichnen und immer der Nase nach ;)

Zwei Tage später kletterten wir an der Marmolada Südwand die Vinatzer-Messner. Nochmal zwei Tage später kamen dort mehrere Seilschaften tragischerweise in ein Gewitter mit Schnee und Hagel.