Messnerplatte Mittelpfeiler 500m VIII- E 4-

IT/ Dolomiten/ Heiligkreuzkofel 2825m Westwand

eine der seltenen Wiederholungen von Messners Meisterstück

die Seilzugquerung vor der Schlüssellänge; 6-A0
die Seilzugquerung vor der Schlüssellänge; 6-A0

1968 von Reinhold Messner zusammen mit seinem Bruder erstbegangen, wohlgemerkt mit Bergschuhen und fragwürdiger Ausrüstung. Er beschreibt diese vier Meter als seine schwersten Klettermeter überhaupt. Die Schwierigkeitsskala reichte damals nur bis zum sechsten Grad. 10 Jahre später bei der ersten Wiederholung der Route von Heinz Mariacher, Luisa Iovane und Luggi Rieser fanden sie eine Umgehung der berüchtigten "Messnerplatte", welche heute auch meistens begangen wird.

Die Originallinie wurde erst 1988 von Andreas Orgler und Otti Wiedmann wiederholt und mit 8- bestätigt, damit die erste der Dolomiten. In der Szene glauben viele Kletterer, dass Messner seine Leistung erfunden hat, andere schließen auf einen Griffausbruch und bewerten die Stelle mittlerweile mit 8 bis 9-. Mir gelang die Seillänge im onsight, vielleicht gerade weil ich mich in Platten besonders wohl fühle. Da dies mein Limit ist, bestätige ich 8-, wenn auch hart und eben alpin.

am Beginn der SSl, hier noch pumpig 7
am Beginn der SSl, hier noch pumpig 7

Nach der nächtlichen Anreise zum Costeleta oberhalb von Pedraces kamen wir erst spät los, was bei der westseitigen Ausrichtung und so früh im Jahr nicht falsch war. 

Schon der "Zustieg" durch den unüberwindbar brüchig wirkenden Sockel ist ein Phänomen. In endlosen Querungen erreicht man immer wieder unschwierige Aufschwünge und durchsteigt relativ leicht quasi die halbe Wand, etliche Steinmänner markieren den Weg.

Wir wählten den Einstieg über die Mayerlverschneidung von 1962 anstatt dem leichteren, dafür extrem brüchigen Originaleinstieg. Abgesehen von der ersten, brüchigen Länge warten tolle, steile Rissmeter mit Holzkeilen und wenigen Schlaghaken auf selbständige Absicherung. Hier kann es ganz schön kalt sein, Sonne erst am Nachmittag!

Auf dem Geröllband lässt sich erst 40m weiter links an einem großen Block ein sicherer Stand beziehen. Sodann seilfrei nach links queren, wobei an der Wand entlang "balancieren" teilweise besser zutrifft, Dolomiten eben...

die tolle Schuppe nach der Messnerplatte
die tolle Schuppe nach der Messnerplatte

Wir sind nicht weit genug gequert und haben uns die ersten beiden Seillängen vom Mittelpfeiler unnötig schwer gemacht, anstatt der Platten links ums Eck sind wir die wenig abgekletterte Verschneidung in Falllinie der Fixseile hinauf (6-). Der spektakuläre Seilzugquergang lässt sich wohl kaum frei bewältigen, hier hangelt man 3 Meter an altem Strick hinunter, der Rest ist traumhafte Plattenkletterei.Nachdem die Route bisher schon sehr anspruchsvoll ist, startete ich ohne große Erwartung in die Schlüssellänge.

Nach einigen anstrengenden, pumpigen Metern gibt es einen super Nohandrest auf dem fußbreiten Band der Umgehung. Hier muss man sich nun entscheiden, links 4 Meter besagte Platte oder rechts 20m Umgehung. Da die Mariacher-Variante sicherlich große Seilreibung verursacht und mich der Stand direkt oberhalb anlacht, kann ich nicht wiederstehen. Zwei super Friends habe ich bereits in der Schuppe unterhalb gesetzt, zu dem guten Schlaghaken auf dem Band füge ich noch zwei fragwürdige Friends in ein Trittloch zur Beruhigung, 

Lukas am Beginn der SSl, die Messnerplatte gut zu sehen
Lukas am Beginn der SSl, die Messnerplatte gut zu sehen

schaue mir die winzigen Leisten gut an, atme tief durch und starte in die Originallinie. Nach drei harten Zügen wird es leichter und mit einem Schrei erreiche ich glücklich den Stand. (Hier zwei BH, wer hat die gesetzt?). Stürzen hätte ich trotz der guten Sicherungspunkte darunter nicht wollen, aber mit Adrenalin hat es ja auch schon bei Messner funktioniert, "mit der Not wächst die Kraft"(R. Messner)...

 

Die folgende Schuppe wird in der Mitte nach links verlassen, sonst Sackgasse! Achtung auf Seilreibung, hier haben wir keinen Stand gefunden. Nach einigen plattigen Aufschwüngen, zwei Bohrhaken??? und einer kurzen Querung nach rechts gelangt man zur traumhaften, klassischen Schlussverschneidung, die nochmals selbstständige Absicherung erfordert. Mit der Dämmerung erreichen wir den Gipfel und ein langer Abstieg wartet auf uns...

 

 

Folgend ein Video der Schlüsselseillänge von Nicolas Tondini (nach vorherigem Auschecken im Toprope) und hier eine interessante Geschichte über die geschichtsträchtige Erstbegehung und die ersten Wiederholungen:

Wandfoto von https://darshano.com/routen/mittelpfeiler/
Wandfoto von https://darshano.com/routen/mittelpfeiler/

Zeiten: 1h Zustieg, 1h Sockel, Mayerleinstieg 2-3h, Mittelpfeiler 4-5h, Abstieg 3h;

 

Material: 10 Exen; Keilset; Cams #0,5-#4, mittlere doppelt; Hammer und Haken;

 

10-12 Sl; 500m; VIII(-); Umgehung VII- oder VI+ A0; 

 

Facts: wenige alte Normalhaken, teilweise noch Holzkeile! Die Route muss komplett mobil abgesichert, bzw. ergänzt werden, auch an den Ständen! Die 4 Meter der Originallinie lassen sich nicht absichern, auch scherzhaft mit Cliff und Tape kommt man hier nicht weiter. Ein würdiges, überaus geschichtsträchtiges, extremes Fels Abenteuer, ohne Gedränge und Stau :)

Schlüsselstelle
Schlüsselstelle
die Umgehungsvariante
die Umgehungsvariante

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Kommentare: 2
  • #1

    Hannes (Freitag, 02 Juni 2017 15:41)

    ...krass, Alter...ich war nur softmoven...

  • #2

    Erika (Mittwoch, 07 Juni 2017 17:16)

    Alter Schwede, die Finger schwitzen und meine Motivation das Ding bald mal zu machen sinkt seltsamerweise mit jedem weiteren Bericht, den es dazu gibt :D
    Gratulation zur Tour!
    LG,
    Erika