Spitzenstätter/ Baldauf VII 250m E 3-

AT/ Wetterstein/ Scharnitzspitze 2463m Südwand

direkte Südwand; im extremen Fels; begeisternd steile Schuppen

die tolle Hangelschuppenquerung; Sl. 3; 6-
die tolle Hangelschuppenquerung; Sl. 3; 6-

4. Advent. Seit zwei Wochen Sonne pur und angenehme  Temperaturen, nur heute nicht, weshalb man eigentlich "Winterbegehung" sagen kann. Wirklich anspruchsvoll ist dieser Pauseklassiker nach der üppigen Sanierung eh nicht mehr, die ganze Leistung gebührt den Erstbegehern im Jahre 1957. Zu viert machten wir uns an den zweistündigen Zustieg, nach langem Hin und Her bildeten schließlich Lukas und ich eine Seilschaft, während Aaron und Alfred die benachbarte "Hannemann" kletterten. 

Die Angaben beziehen sich auf den neuen Wettersteinführer Panico von 2016:

 

 

steile Rissverschneidung in zerklüfteter Kulisse; Sl 6; 5+
steile Rissverschneidung in zerklüfteter Kulisse; Sl 6; 5+

Den schrofigen Sockel seilfrei links oder rechts rum hinauf. Erstmal Liegestützen machen bei diesen Minusgraden. Länge 1 und 2 lassen sich problemlos zusammenfassen, hier geht es gleich richtig zur Sache. Schon nach drei Metern kaltem Fels in der Hand möchte ich fast aufgeben, kämpfe mich aber mit tauben Fingern über die wenigen kleingriffen Meter zum rettenden No-Hand-Rest und Aufwärmpoint. Nun den rechten Riss hoch und nach links zum Stand (45m; 7).

Während Lukas nachsteigt, erreichen mich ein paar Sonnenstrahlen durch die immer dichter werdende Wokendecke, sodass es kurz heiß wird.

letzte Sl; 4; Klemmverschneidung
letzte Sl; 4; Klemmverschneidung

Es folgt die spektakuläre Hangelschuppe mit anschließender, steiler Verschneidung an Schuppen, ein Traum (30m; 6-).

Sl 4 beginnt steil und henklig, dann eine Rampe nach links ums Eck (30m; 5+).

Die plattige, teils splittrige Sl 5 leitet direkt unter den überhängenden Pfeiler, der laut altem Panico rechts umgangen wurde (50m; 5-).

Das erklärt auch, warum diese steile Rissverschneidung kein Vierer ist, der Stand befindet sich hinter dem (Schnee-) Band an der Headwall (40m; 5+).

Kurz nach links in die Verschneidung mit Klemmblock und rechts haltend bis zum höchsten Punkt an Köpfelschlinge (40m; 4).

Nur kurz genießen wir die Aussicht ins verschneite Rheintal, schließlich ist es kalt. Zügig seilen wir über die "Hannemann" ab, mit 50m Seilen 5mal, mit 60m Seilen nur 4mal. Erst hier wird uns bewusst, wie mega zerklüftet die "Wand" der Scharnitzspitze tatsächlich ist. 

 

Fazit: Üppig sanierter Pauseklassiker an unten steilem, gelbem Fels mit unglaublichen Schuppen und Henkeln, jedoch nicht immer ganz fest. Danach wird es plattiger und leichter, der steile "Durchschlupf" zwischen den roten Überhängen ist nicht so wild, wie es von unten ausschaut. Zwei KH als Stand, einige KH und wenige Schlaghaken pro Seillänge. Insgesamt benötigt man meist keine mobile Ergänzung. Tolle Route während eindrucksvoller Wolkenstimmung, wir waren definitiv glücklicher am Gipfel als bei Sonnenschein ;)

 

250m; 7 Sl; VII; VI+ oblg.; 10 Exen; Cams #0,5 bis #2; Keile; 60m Doppelseile; (Daunenjacke)