Sonnenkönig 700m VIII- E 3-

CH/ Wendenstöcke/ Pfaffenhut 3007m Südwand

extrem abwechslungsreiche Route durch drei Gesteinsarten

Sl. 14; links der klassischen Risslinie; 7-
Sl. 14; links der klassischen Risslinie; 7-

"Erstens kommt es anderes, zweitens als man denkt." Drei tolle Tage in der Schweiz sollten es werden, für eine Route hat es gereicht, dafür eine, die man so schnell nicht vergisst. Wer möchte nicht gerne mal Sonnenkönig spielen?

 

Allzu oft ist das in dieser Region der Alpen wohl nicht möglich, wir hatten jedoch das Glück, bei allerbestem Wetter diese Route bis ganz oben zu klettern. Also inklusive zweiter und ritter Etage des Pfaffenhut´s. Wie wir von den Schweizer Nachbarn erfuhren, seilen die allermeisten Seilschaften nämlich nach den Hauptschwierigkeiten am Sockel wieder ab.

 

Wohl nicht, weil sie reinen Sportklettergenuss suchen, denn jede Wendentour erfordert eine stabile Psyche. Tatsächlich ist der Fels im oberen Teil aber wirklich etwas alpiner, bei ähnlicher Absicherung. Als Bonus lernt man zwei weitere Gesteinsarten kennen und kann ganze 19 abwechlungsreiche Seillängen in der Regel einsam für sich haben.

 

Sl. 10; absolute Traumlänge; 7
Sl. 10; absolute Traumlänge; 7

Nachdem wir uns zügig an den bereits bekannten, sehr steilen Zustieg machten, gab es erstmal Frühstück am Wandfuß des Pfaffenhut, welcher über 300m derart unglaublichen Paradefels aufweist, wie er sonst nur in einzelnen Seillängen zu finden ist. 

 

Der Einstieg an der linken Kante ist schnell gefunden, sogar eine Sonne ist angepinselt.

Gleich in Sl 1 wird man wieder an die typische, technische Wand- und Platten"schleicherei" erinnert. Steiler, rauer Fels, die Lösung ist, die Strukturen richtig zu lesen (40m; 7; 4h, 4SU).

 

Sl. 10; absolute Traumlänge, 7
Sl. 10; absolute Traumlänge, 7

Sl 2 ist etwas intuitiver (30m; 7-; 2H, 2SU). Dafür werden wir bereits vom charakteristischen Wendennebel eingehüllt, der trotz blauem Himmel für eindrucksvolle Stimmung sorgt.

 

Die gestufte Sl 3 leitet zu dem steilen Pfeiler Aufschwung, der die SSL darstellt (45m; 6-; 2SU). Ausdauernde, schwer zu lesende Henkelzieherei leitet zu einem kurzen Rissüberhang -schwere Einzelstelle- und kleingriffig weiter zum Stand (45m; 8-; 7H, 4SU). 

 

Es folgt die traumhaft henklige Sl 5 (30m; 6; 2H).

die traumhafte SSl von oben, steiler als gedacht
die traumhafte SSl von oben, steiler als gedacht

In Sl 6 wartet am Ende eine knifflige Einzelstelle (25m; 7; 2H, 1SU). So langsam gewöhnen wir uns an die Art der Kletterei, unser Bewegungsgefühl wird jedoch in der sehr fußlastigen Sl 7 kurz auf die Probe gestellt (35m; 7-; 4H).

 

Nun quert man leicht absteigend waagerecht nach rechts auf ein Band (25m; 5; 1H).

In Sl 9 ist der erste Haken blöd platziert, lieber auslassen wegen Seilreibung, es folgt eine glatte Kantenquerung (35m; 7-; 3H, 1SU). 

 

Von unten erkennt man in Sl 10 nur eine steile, strukturlose Platte, die sich aber als Griff- und Trittwunder entpuppt und locker von der Hand geht. Im Zick-Zack tänzelt man durch diese Hammerlänge zum Stand vor einer kleinen Höhle (30m; 7; 3H, 1SU). 

 

Mit Sl 11 erreicht man das offizielle Ende der Route und könnte schnell und problemlos wieder abseilen (30m; 7-; 1H, 2SU).

die etwas alpinere Sl 12; 7-
die etwas alpinere Sl 12; 7-

Da wir aber erst 4 Stunden unterwegs sind, gehen wir über das splittrige Band zum nächsten Absatz, welcher in senkrechtem, gelben Fels links einer klassischen Risslinie hochzieht. 

 

Gleich die erste Länge signalisiert den etwas alpineren Weiterweg. Die nasse, splittrige Verschneidung ist zwischen den Bohrhaken mit sehr schlechten Schlaghaken und Schlingen gesichert (50m; 7-; 4H).

Die Standplätze sind aber durchgehend gut, sodass überhaupt nichts gefährlich wird. Sl 13 bietet steile, raue Tropflochkletterei vom Feinsten (25m; 7; 5H).

In Sl 14 kommt man dem klassischen Riss sehr nahe und kann einige der unzähligen Schlaghaken clippen. Nach diesem heiklen Start bleibt man aber links davon im "Sportklettergelände" an der plattigen Kante (35m; 7-; 4H).

Über einen kurzen brüchigen Aufschwung steigt man auf das zweite Band (15m; 6+; 3NH).

 

Genuss pur in Sl. 17, Gneisplatten vom Feinsten
Genuss pur in Sl. 17, Gneisplatten vom Feinsten

Über ein Kugellager aus Platten mit Schotter steigt man den Grataufschwung rechterhand unter die mächtige Headwall, welche komplett aus Gneis besteht. Genau in der Mitte zieht eine kompakte, weniger steile Kante hoch, die man von links erreicht.

Zuerst noch 20m seilfrei durch brüchiges Gelände in eine Scharte, von dort den Plattenpanzer hinauf (40m; 6; 3H). In den Rissen und (teils lockeren) Schuppen können immer wieder kleine und mittlere Friends eingesetzt werden, sofern man welche dabei hat, die Hakenabstände werden wesentlich weiter als zuletzt. Als wahrer Genuss stellt sich Sl 17 heraus (40m; 6-; 3H).

Etwas unklar war der Stand von Sl 18 an einem Köpfl mit uralten Schlingen und einem Keil. Vielleicht haben wir in dem schrofigen, überall gangbaren Gelände aber auch einfach nicht den richtigen Stand gefunden (45m; 3).

Die letzte Sl, zuerst an tollen Strukturen und Chickenheads, oben raus spektakulär an steiler Kante zum Ende der Route an zwei Bohrhaken (45m; 5; 1H).

letzte Sl, bereits oberhalb des Wendennebels
letzte Sl, bereits oberhalb des Wendennebels

Zwar nicht am Gipfel, aber auf einem Turm, der nach hinten abbricht und somit den absolut höchsten Punkt der Route darstellt. Zufrieden genießen wir die tolle Aussicht zum Titlis und auf die schneebedeckte Rückseite. Erst hier oben wird einem richtig bewusst, wie zerklüftet und wild die Wendenstöcke oberhalb der Routen sind.

 

Wenn man gleich 60m abseilt und 3m abklettert, kann man den schlechten Köpflstand auslassen. Danach regulär über die Route, im unteren Teil wird orografisch links eine eigene Abseilpiste benutzt, insgesamt kommt man auf 12mal runter.

19Sl; 700m; E 3-; VIII-; VII oblg.; gute Absicherung mit Bohrhaken und etlichen (gebohrten), teils schlechten SU-Schlingen; 60m Doppelseile; Keile und kleine Friends; 12 Exen; warme Kleidung (Nebel)

 

 

Zustieg: 1,5-2h/ Kletterzeit: 7-9h/ Abseilen: 2h/ Abstieg: 1-1,5h/ gesamt: 12-14h

 

Zwar eine der leichteren, aber sicher die längste Route an den Wendenstöcken. Extrem abwechslungsreiche Kletterei an verschiedenen Gesteinsarten in hochalpiner Kulisse.