Phantom 300m VIII E 3-

AT/ Wilder Kaiser/ Predigtstuhl 2115m Westwand

absolute Traumtour auf den linken der drei Türme des Predigtstuhl

Andi in der Schlüsselstelle, Sl 5
Andi in der Schlüsselstelle, Sl 5
Wenn man ohne Erwartungen etwas anpackt und Erfolg hat, ist die Freude umso größer. Bei anhaltendem Regen fuhren Andi und ich am Freitag von München in den Koasa und wurden mit einem teamonsight dieser Traumroute bei guten Verhältnissen belohnt.
Ab dem Vormittag sollte es aufreißen, so der sehr zweifelhafte Wetterbericht. Durch die Vielfalt an Routen aller Expositionen in der Steinernen Rinne findet sich eigentlich immer eine trockene Linie, so auch das begünstigte Phantom.
Als die extrem hartnäckigen Wolkenbänke so langsam dünner wurden, stiegen wir um 13.30 bei null Sicht in die noch nasse erste Länge ein.
Entgegen aller Erwartungen geht es bei guter Absicherung in festem Fels über eine steile Kante an der abweisenden Aushöhlung links vorbei (45m, 6+, 6H).
Sl 2 in beliebiger Linie, am besten vom Stand leicht rechts durch die Verschneidung oder Kante mit mobiler Absicherung zum Stand unter einem Überhang (45m, 5-6, keine Haken).
Sl 4, obligatorische, kraftige 7+
Sl 4, obligatorische, kraftige 7+
Über die erste Länge der Fiechtl-Weinberger, welche übermäßig gut saniert wurde bis zu deren Stand gemeinsam und die Abzweigung in den linken Riss nehmen, mit Cam´s 2 und 3 perfekt absicherbar (45m, 6, 5H).

Nach diesem genussvollen Auftakt in allerbestem Fels geht es nun steiler zur Sache und spätestens ab Sl 4 kommt man aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Man klettert direkt durch die Schuppen links der Kante in anstrengender Piazkletterei. Die obligatorische Schlüsselstelle ist wohl der absicherbare Runout zum Stand, dieser fordert erstmals die Psyche (25m, 7+, 3H).

Die SSl führt zuerst in genialen Bewegungen zu einem Mantle und wieder steil piazend zum Stand (20m, 8, 4H). Wo die Felsqualität nun nicht mehr zu überbieten ist, nimmt die Ausgesetztheit zu. Man verlässt die Rissspur nach rechts und klettert spektakulär die Kante weiter, Ausdauerproblem (45m, 7+, 6H).
Sl 6, supergeile 7+ an der Kante
Sl 6, supergeile 7+ an der Kante
Die nächsten Meter sind etwas brüchig, am besten klettert man links rum hinter den angelehnten Turm und bezieht am ersten Haken der nächsten Länge Stand. Dies erschien mir wesentlich sinnvoller, als der Sitzstand am Top. Spätestens zum abseilen wird er dann aber benötigt. (15m, 5, keine Haken).
Mittlerweile hat uns die Sonne erreicht und es kommt wahrer Genuss auf. Das sensationelle Finale ist von einer kurzen, schweren Einzelstelle unterbrochen, ansonsten leitet steile Henkel- und Schuppenzieherei zum Ausstieg (45m, 8-, 6H).

 

Eine nette Viererkante leitet zum gemeinsamen Stand mit der Nordkante. Der lohnendste Abstieg ist sicherlich der Weiterweg über das Oppelband zum Gipfel und dann über den Botzongkamin abseilen. Da wir dies beide schon (mehrmals) gemacht haben und keine Schuhe dabei hatten, seilten wir auf sechsmal über die Route ab. 

Diese 2010 eingerichtete Route ist für mich persönlich die schönste der modernen mir bekannten Routen im Koasa. Allerbeste Felsqualität, logischer Routenverlauf und die Art der Kletterei an den einzigartigen seitlich geschichteten Schuppen im plattigen Zentralteil.

Laut Insiderinformationen wurde diese Linie schon in den 90er Jahren von Andi Orgler clean erstbegangen. Dankeschön an Jörg Meyer und Bernhard Schwarz, die in maßvollem Stil mit Bohrhaken eine Route für die Allgemeinheit geschaffen haben. In den vielen Rissen und Verschneidungen steckt nichts, man kann aber super mobil absichern. Die schweren Stellen sind gut gesichert, die komfortablen Standplätze ebenfalls, sodass man relativ entspannt durchkommt, wenn man 7+ safe klettert. 

 

Einige Wiederholer und auch ich finden die Tour mit 8 eher überbewertet, eine humane 8- ist realistischer.

 

9 Sl; 300m; VIII(-); VII+ oblg.; E 3(-); 10 Exen;

50m Doppelseile; Keilset; Cam´s 0,5-3;

Zustieg: 1-1,5h

Route: 4-6h

Abseilen/ Abstieg: je 1h 

Wandbild und weitere Informationen von Markus Stadler