Via Navasa 800m VII- E 4-

ITA/ Bosconero/ Rochetta Alta 2402m Nordwand

beliebter Pause-Extrem-Klassiker in ruhigem Ambiente

Sl 7; 7-; die fotogene Dachquerung
Sl 7; 7-; die fotogene Dachquerung

Zweiter Tag unseres Dolomitenurlaubs. Fast wären wir in unserem 5000-Sterne-Hotel liegen geblieben, da wir vom Vortag in der Carlesso/Menti am Torre Valgrande relativ erschöpft waren. Wir konnten uns aber doch noch motivieren, den Pauseklassiker an der Rochetta Alta zu klettern. Mit schweren Beinen schleppten wir uns den einsamen Schwarzwald zur Rifugio Bosconero hoch, ein besonderer Ort.

 

Kurz darauf steht man unter der steilen, zinnenähnlichen Mauer und kann nicht glauben, dass dort so ein "leichter" Weg durch führt.

Während die italienische Damenseilschaft Richtung Anti Spigolo startete, stiegen wir zügig durch die ersten drei Längen (max. 4; 40m, 40m, 30m). Mit der ersten schweren Länge geht es gleich zur Sache (6, 30m).

Von dort durch schrofiges Gelände (4, 30m) unter die markante 6er-Verschneidung. Nach einigen Metern ist ein schlechter Zwischenstand, ohne diesen wird es eine 55m Länge bis unter das unüberwindbare Dach.

Sl 15; 6-; Plattenfeeling wie in den Nordalpen
Sl 15; 6-; Plattenfeeling wie in den Nordalpen

Die einzige Möglichkeit daran vorbei ist waagerecht nach links zu queren. Kleine haben es hier schwerer, da man super ein Trittband queren kann, die Griffe und Haken aber sehr hoch platziert sind (7-, 15m).

 

In der Route wechseln steile, gelbe Längen mit einigen Haken und plattige, graue Längen mit weniger Haken. Sl 8 verlangt eigenständige Absicherung (6, 30m).

Das Band nach links queren und den Riss der Kante entlang hoch, zu relativ schlechtem Stand, den man nur bedingt verbessern kann (5+, 45m)!

 

Es folgt die Schlüssellänge durch die überhängende, kraftraubende Verschneidung. Die Absicherung ist ok und man kann zum Glück die ganze Zeit über gut ausspreizen. Unter dem Überhang quert man noch einige Meter rechts ansteigend auf ein Band (7-, 40m).

Sl 18; 5; kurz danach Querung nach links in die Kaminreihe
Sl 18; 5; kurz danach Querung nach links in die Kaminreihe

Wie in manchen Topos falsch dargestellt, quert man keine 10m nach rechts sondern klettert direkt die Risslinie weiter, jedoch etwas unübersichtlich, da von links eine benachbarte Route sehr nahe kommt, bzw. einige Meter gleich verlaufen (5+, 55m).

Die nächsten beiden Längen führen durch die Schwachstelle zwischen großen gelben Überhängen hindurch (5; 45m und 35m).

 

Sl 14 weiter über den Plattenpanzer (6-, 45m).  

Sl 15 kurz rechts auf eine Zacke hinauf, dann leiten plötzlich 5 Haken waagerecht nach links. Nicht bis zum Ende queren, sondern am dritten oder vierten Haken nach oben, hier wartet nochmal ein ordentlicher Runout, den man aber selbst absichern kann, bevor man auf dem Ausquerband steht (6-, 45m).

 

Wie wir von der Hüttenwirtin erfahren haben, "flüchten" hier seit ungefähr zehn Jahren alle Seilschaften.

letzte Sl, 4, neben der Kaminreihe
letzte Sl, 4, neben der Kaminreihe

Ein Grund mehr also, den anspruchsvolleren Originalausstieg zu klettern. Wo die Route im unteren Teil schon alpin anspruchsvoll ist (E 3), wird die Felsqualität nach oben hin schlechter, die Wegfindung schwieriger und wir fanden ganze 4 Haken auf 200m (E 4-). Die erste Länge vom Band weg startet noch einigermaßen kompakt (5+, 40m), bevor es in Sl 17 richtig zur Sache geht.

Zuerst entscheide ich mich für den falschen Riss, welcher lockere Schuppen bietet, kann dann nach rechts in den mittleren Riss queren, gefolgt von einem überhängenden, brüchigen Wandteil an splittrigem Fels.

Dank meines Verhauers auch noch mit extremer Seilreibung, erreiche ich total erleichtert ein Band mit großen Köpfl, das zusammen mit zwei Friends Sicherheit bietet (6, 40m). Nun sind die Hauptschwierigkeiten geschafft, wir klettern noch in 45m auf den nächsten Absatz (5, 45m), queren diesen nach links in eine Kaminrinne und diese in zwei Seillängen hoch. Hier ist das offizielle Ende bei einem vorgelagerten Turm, Steinmänner leiten zum Abstieg nach links. Seilfrei klettern wir noch die 50m zum Gipfel und genießen nach einem angenehm schattigen Tag die letzten Sonnenstrahlen.

Immer leicht absteigend quert man die Ostflanke Richtung Tunellascharte. Die steile Rinne mit großem Schneefeld erreicht man mit einmal abseilen, danach quetschen wir uns die ungemütliche Randkluft hinunter. Im letzten Licht erreichen wir die Hütte und nach Café, Bier und einem interessanten Gespräch mit Monica machen wir uns an den Abstieg. Ein langer Tag geht zu Ende, wir verputzen noch 1kg Gnocci, dann fallen wir glücklich und zufrieden ins Biwak. Es ist klar, dass wir am nächsten Tag ausschlafen und nur noch die genussreiche Nikibi klettern werden.

 

Zustieg: 2-3h

Route bis Gipfel: 9-11h

Abstieg: 2-3h

 

VII- frei oder VI A0; 20 Sl; 800m; E 4-; 50m Doppelseile; 14 Exen; Keile; Cams 0,3-2, evtl. mittlere doppelt; Hammer, Haken