Friedenspfeife 220m VIII+ E 3

AT/ Wetterstein/ Schüsselkarspitze 2536m Südwand

5-Sterne Tour von Heinz Zak direkt neben dem "Bayerischen Traum" 

ich in der zweiten Länge/ 8
ich in der zweiten Länge/ 8

Am 19. November 2015 ging sich endlich die lang ersehnte Friedenspfeife vom Duo Zak/ Hangl an der Schüsselkarspitze Südwand aus. Nach 2h Zustieg aus dem Puittal war der Einstieg -mit bemalter Tontafel markiert- erreicht.


In der ersten Seillänge kann man sich zwischen zwei Varianten entscheiden, die linke ist trotz 6+ relativ leicht, die rechte nur 6-, dafür aber deutlich schwerer, eher 7(-). Schon hier wird klar, die Friends hängen nicht umsonst am Gurt.


Die zweite Seillänge fordert nach einem kleingriffigen Dacherl den Plattentänzer mit genug Coolness um im 8. Grad Friends zu legen.


Ab der dritten Seillänge erwartet die Wiederholer grandiose, steile Kletterei (Wand und Überhang) in absolutem Vorzeigekalk. Die mit 7 angegebene dritte Länge ist mit 7+ sicherlich immer noch nicht überbewertet und erfordert eine gehörige Portion Kraft und Ausdauer...

ich in der dritten Länge/ 7, hart!
ich in der dritten Länge/ 7, hart!

...als auch Moral! Hier stecken 4 Haken und eine Sanduhrschlinge, wobei am letzten BH die Lasche fehlt, sodass man einen Keil draufklemmen muss.

Hier wäre ein Sturz ungut, da der letzte BH über 5 Meter waagerecht links steckt!


Die folgende Seillänge war wieder etwas enger gebohrt, sodass wir keine mobilen Sicherungsmittel benötigten, 40m 8-. Die schwerste Stelle jedoch gleich vom Stand ist messerscharf und so zogen wir beide eine kleine Blutspur hinterher.

 

Die fünfte Seillänge wartet mit 2 Bohrhaken genau an der richtigen Stelle, dazwischen passen 2 kleine Cams oder Keile, welche man unbedingt setzen sollte, der Fels ist hier etwas splittrig.


Nun durfte ich die erste 8+ vorsteigen, wobei ich ganz schön kämpfen musste. Nach ein paar uncoolen Stürzen zum zweiten Haken, arbeitete ich mich zumindest frei bis zum Stand hoch...

Martin in der sechsten Länge/ 8+
Martin in der sechsten Länge/ 8+

... wobei vom letzten Haken ein 8m Runout wartet, welcher aber mit kleinen bis mittleren Cams perfekt verkürzt werden kann. Unser Vorschlag wäre anhaltend 9- mit einem Haken mehr als im Topo verzeichnet.


Die zweite 8+ fiel dann glücklicherweise auf Martin, der gleich nach dem ersten Haken zwei super Cams versenken konnte und irgendwann gepumpt abfiel wie eine "reife Pflaume". Die nächsten Meter sind etwas entspannter, wobei es oben raus wieder sehr hart wird für 8+.


Da wir nur 50 Meter Seile hatten, konnten wir beim Abseilen lediglich die 6. und 7. Seillänge zusammenfassen, was ohne vorausschauendes Exen einhängen in einem Kingswing enden könnte, oder in einer langen Prusikaktion.


Der Orkan, welcher den Wintereinbruch der nächsten Tage brachte, erschwerte uns den Abstieg gewaltig. War das Seil eben noch 50 Meter gerade nach unten gehangen...

Martin in der siebten Länge/ 8+
Martin in der siebten Länge/ 8+

...schwebt es ein paar Sekunden später auf einmal über einem in der Luft oder eben komplett waagerecht. Ab hier mussten wir jede Seillänge einzeln abseilen, dennoch waren wir nach einer Stunde wieder am Einstieg. 

Zufälle gibts: Kaum sind wir wieder am Wandfuss, kommen drei bekannte Personen von der Knapp-Köchler VII herunter. So genießen wir zufrieden den gemeinsamen Abstieg in den vorerst letzten Sonnenstrahlen in diesem Herbst.

 

Da die Tour anhaltend hart bewertet ist und schon 1995 erstbegangen wurde, muss sich der Grad hier noch ehrlich erklettert werden.

Wo der Fels einen Riss, etc. bietet wurde konsequent kein Haken gesetzt, sodass man zwar super Placements findet, aber egal bei welcher Schwierigkeit mobil ergänzen muss. Aus diesem Grund empfanden wir die obligatorische Bewertung von 7+ deutlich zu tief gegriffen. Diese Einschätzung könnte für den ein oder anderen Wiederholer interessant sein.

Facts Friedenspfeife:

EB 1995 Heinz Zak/ Bernhard Hangl

220m/ VIII+/ VIII(-) obl./ 7 Sl/ Stopper 7-10/ Cams 0,5-2/ 60m Doppelseil/ Bohrhakenlasche mit Mutter für die dritte Länge ;)

 

"Wunderschöne, anspruchsvolle und überaus abwechslungsreiche Kletterei. Delikate Platten, griffige Wandstellen und knifflige Überhänge warten auf die Wiederholer."

 

geklettert am 19. November 2015 mit

Martin Feistl