Sognanda l´Aurora 625m IX- E 3

ITA/ Tofana/ Pilastropfeiler 2900m Südwand

Meisterstück von Massimo da Pozzo in den Dolomiten

ich in der 6.Sl/ 7+ (Groundergefahr!)
ich in der 6.Sl/ 7+ (Groundergefahr!)

Am 29. September 2015 wurden Martin und ich bei einem Versuch dieser anspruchsvollen, alpinen Sportklettertour belohnt.

 

Nach den erfolgreichen Routen Gratta e Vinci  von Christoph Heinz und Love my Dogs  planten wir diese für ihre absolut fordernde Absicherung bekannte Route. Bei den aktuell zapfigen Temperaturen sollte die riesige Tofana Südwand eine Begehung bei guten Verhältnissen zulassen.

 

Start war um 6 Uhr an der Refugio Dibona mit dem Ziel, bei den ersten Sonnenstrahlen einzusteigen. Eine gute Stunde später kletterte ich dick eingepackt mit Mütze, Jacke und Handschuhen los. Kurz darauf breitete sich die Sonne aus und es wurde angenehm warm. Weniger angenehm ist jedoch die Absicherung, ganze drei Bohrhaken auf 40m jeweils in den Plattenlängen, welche aber mit max 6b/ VII bei den zu erwartenden Schwierigkeiten kein Problem darstellen sollten.

ich in der 7.Sl/ 7+/8- (brüchig)
ich in der 7.Sl/ 7+/8- (brüchig)

Gleichzeitig waren die Bewertungen aber in Ordnung, teilweise sogar recht locker.

Die 4. Seillänge und die etwa 10 Meter lange Querung nach rechts lassen sich perfekt zusammenhängen, indem man den Zwischenstand auslässt.

 

Ab hier stellt sich die Wand auf und es wird über viele Seillängen verdammt steil.

Die erste 7+ läuft trotz großer Anspannung super, auch wenn aufgrund der weiten Hakenabstände recht lange Groundergefahr besteht.

Die folgende 7+/8- fällt uns ebenfalls leicht, wobei wir beim klettern aus dem Schwärmen gar nicht mehr rauskommen. Da der Fels hier etwas splittriger ist, stecken auch mehr Bohrhaken, die Ausgesetztheit ist fast nicht zu übertreffen.

 

Man kann sich noch so bemühen, man fällt im Falle eines Sturzes einfach in die Luft. Das Klettern in dermaßen kompromissloser Ausgesetztheit war für uns eine komplett neue Erfahrung. 

Martin in der 8.Sl/ 8
Martin in der 8.Sl/ 8

Nach der ersten Länge im glatten 8. Grad war ich froh, dass Martin die erste SSl führte, die sowohl klettertechnisch als auch moralisch eine der härtesten Längen darstellte.

"Nach einem erfolglosen Schnapper an die falsche Leiste war die richtige Lösung an den kleinen, aber feinen Leisten und vor allem abschüssigen Tritten aber bald gefunden und der 3. Haken war erreicht. Wo ist der nächste? Gleich 3 Meter darüber, das ist ja angenehm. Aber warum gehen alle Chalkspuren 3 Meter waagrecht nach links und warum sitzt der Haken mitten in einer komplett grifflosen Platte? Meine anfängliche Hoffnung, dass man nach den 3 queren Metern auf Höhe des Hakens zum klinken wieder zurückqueren kann löste sich in Luft auf als ich einige Meter entfernt mit dem Haken weit neben mir und dem letzten Haken noch viel weiter unter mir, mich zur rettenden Sanduhr schüttelte. Bloß nicht zulaufen war der Plan, und er ging glücklicherweise auf."

Martin in der SSL 9-
Martin in der SSL 9-

Die folgende 8+ entpuppte sich als recht zahme Ausdauerlänge an fast immer großen Kellen und Löchern, auch die darauf folgende zweite 9- war für den Grad recht leicht. Einzig die Chalkspuren verleiten zuerst etwas in die Irre, aber wenn man weiß wo der Henkel ist, kann man schon fast vor Freude über die Felsqualität und Ausgesetztheit den Henkel im Dach anspringen.

 

Den anhaltendsten Teil der Tour hatten wir hier geschafft und da wir immer noch voll in unserem Zeitplan waren, kletterten wir zügig über die nächsten beiden Seillängen zur Headwall weiter. Hier laden viele Sanduhren ein, gefädelt zu werden. Eine Ausquerung nach links ist hier über die klassische Linie im vierten Grad möglich.

 

Die 14. Seillänge an der schwer zu lesenden plattigen Crux (8+/9-) verlangte nochmal ein paar Flugmeter von uns. Sind halt doch schon einige steile Seillängen in den Armen von uns Plattenschleichern...

Martin in der letzten, alpineren Seillänge, 7
Martin in der letzten, alpineren Seillänge, 7

Besonders die allerletzte Seillänge verlangte dann nochmal ordentlich viel Konzentration in etwas brüchigem Fels, hielt uns dann aber nicht mehr auf. Nach 10,5 Stunden waren wir zwar schlussendlich langsamer als in den Führern angegeben, aber das Ziel, alles frei zu klettern war ein voller Erfolg.

 

Den Abstieg erschwerte uns dann eine ordentliche Portion Neuschnee mit

ansetzendem Harschdeckel. Dies sollte uns jedoch nach unserer bisher eindrucksvollsten Route nicht mehr aufhalten und so stolperten wir zügig mit Turnschuhen dem Abstieg entgegen. Zuerst einige Serpentinen in Fels und Schnee nach oben - nach dem nächtlichen Abstieg vom Pilastropfeiler drei Jahre zuvor, wusste ich diesmal, was der rote "Exit-Stein" bedeutet!

Sodann über die nordseitige Rinne hinunter zur sichtbaren Hütte und den Wanderweg zurück zum Auto. Nach einer fetten Portion Tiramisu, fielen wir überglücklich ins Biwak.

am Top des 2. Pfeilers!!!
am Top des 2. Pfeilers!!!

Facts Sognanda l´Aurora:

17 Sl/ 625m/ IX-(7b+)/ VIII+++(7a+++) oblg.

12 Exen/ 2 Minicams/ Cams 0,5-2/ Keile

 

7-; 7; 7-; 6; 7+; 7+/8-; 8; 9-; 8+; 9-; 7-; 6; 7+/8-; 8+/9-; 6, 7

 

Begeisternde Linie durch eine unfassbar steile, lange Wand direkt neben dem klassischen Pilastropfeiler. Das alles bei fast immer perfektem Fels und anspruchsvoller, aber selten gefährlicher BH Absicherung. In Seillänge 6 fällt aller Brösel weit weg vom Sicherer entfernt zum Einstieg!

geklettert am 29. September 2015 mit Martin Feistl; weitere Infos und Fotos gerne auf Anfrage!