Der "Feuerreiter" 600m IX- E 3

AT/ Karwendel/ Spritzkarspitze 2606m Nordwand

steile, direkte Route durch die Spritzkarspitze Nordwand im Karwendel

Die vorerst letzte, logische Linie im Karwendel, so beschreibt Ralf Sussmann sein neuestes Werk durch die Nordwand der Spritzkarspitze. Erstbegangen vor 2 Monaten, am gleichen Tag als Leo und ich die Schatten der Sphinx kletterten. Für mich war also das Ziel definiert, diese Route noch im selben Jahr zu wiederholen und dabei die technische Stelle zu befreien.

 

Am 21. September 2015 gelang uns das dann gerade noch pünktlich vor einem Wintereinbruch bei guten, jedoch sehr kalten Bedingungen. Im Folgenden der Bericht, diesmal von meinem Seilpartner Martin Feistl geschrieben: 

 

"Nach über einem Monat in dem keine Tour mit Daniel zusammengehen wollte, wurde es mal wieder Zeit. Eigentlich wollten wir in's warme Schüsselkar, aber ohne Radl macht das wirklich keinen Spaß und so ist die Wahl auf die neueste Kreation von Ralf Sussmann gefallen.

"Der Feuerreiter" heißt sie, bietet auf 13 lange Seillängen verteilt 500 Klettermeter und soll angeblich deutlich ernster sein als die beiden anderen Routen von ihm, die wir schon kennen. ("Inferno und Ekstase" und "Magic Line"). Mit der 5. Wiederholung ist mir dann ein onsight der Schlüssellänge gelungen und ich würde mich bei der Bewertung den vorigen Wiederholern anschließen, wobei 9- sicherlich die oberere Grenze darstellt und die Stelle nicht wirklich größenabhängig ist. Der 2 Seillängen lange schrofige Vorbau im 2. Grad lässt sich deutlich angenehmer überwinden als es erst einmal den Anschein gemacht hat und am 2. Abseilstand kann gemütlich angeseilt werden. Auch der Weiterweg wird deutlich durch einen Bohrhaken nach bereits wenigen Metern markiert. Im unteren Drittel der 2. Länge befindet sich ein etwa 5 Meter langes Fixseil, das dort wohl aufgrund des erdigen und brüchigen Gesteins angebracht wurde. Wirklich notwendig ist es aber nicht, und wer das Seil hier benötigt, wird wohl auch in den folgenden Seillängen kaum glücklich werden. 

Nach diesen 2 bei uns extrem nassen, moosigen und erdigen Seillängen tauten beim Sichern so langsam die Finger auf und es gelang mir die Finger auch über die nächste, schon recht steile und schöne Länge für die darauf folgende Schlüssellänge warm zu halten. Spätestens hier wurde uns klar, dass die Tour bei weitem nicht dem E4 entspricht, das wir erwartet haben. Die Absicherung erfordert durchaus eigenverantwortliches Steigen, jedoch nimmt die Bohrhakenanzahl kontinuierlich mit den höher werdenden Schwierigkeiten zu und ab dem 7. Grad kommt schon fast Plaisir-Feeling auf.

Sehr entspannt aufgrund der geringeren Ernsthaftigkeit startete ich in die Schlüssellänge. Die folgende Crux vom 5. zum 6. Haken ist trotz eines Plattenproblems sehr onsight-freundlich, da man bequem auf einem Podest steht und in Ruhe die nächsten Griff- und vor allem Trittabfolgen studieren kann. Entweder hat man hier den Fingerstrom um das "Cliffloch" mit den Fingern festzuhalten oder man muss eben etwas mit Metall unterstützen. Aber auch hier gilt: "Wer stellt, der hält". Die darauf folgenden Längen im Mittelteil waren alle in eher ungutem Fels, der kaum Schwärmerei aufkommen lies und konzentriertes Steigen voraussetzt. Erwähnenswert ist hier ein etwas erzwungen und aus dem Zusammenhang gerissen wirkender Runout zum Stand der 6. Seillänge.

Laut Beschreibung soll hier ein C4 #3 gut liegen, ist mir in dem Bruch aber nicht aufgefallen und da uns der 3er Cam eh zu schwer war, mitzunehmen habe ich nicht länger nach einer Möglichkeit in der Verschneidung gesucht.

Schwärmerei kann dann in den nächsten 4 Seillängen aufkommen, hier wird der Fels nochmal richtig gut. Zwar waren wir von der queren Linienführung der 10. Seillänge etwas verwirrt, aber der 20 Meter lange waagrechte Quergang bietet super Ausgesetztheit, Felsqualität und Kletterspaß. Die nächsten beiden Längen hat Daniel dann unwissend zusammengefasst, was sich auch empfiehlt, da wir beide gar keinen Zwischenstand gesehen oder vermisst hätten.

So blieb mir dann die allerletzte Seillänge, die dann nochmal mit 2 wunderbaren Cam-Stellen und schön knusprigem Fels aufwartete.

 

Es empfiehlt sich, über die Route abzuseilen - zusammenhängen lassen sich die Sl 12 + 11, 10 + 9 (57 Meter), 8 + 7 (58 Meter), 5 + 4 (57 Meter, Expresse am Stand dazwischen einhängen) und 3 + 2 (50 Meter, bis zum Beginn des Fixseils). Insgesamt sind mit dem Vorbau 9 Abseilstrecken notwendig, vorausschauendes Verschieben des Knotens vorausgesetzt.

Fazit:

Die Ernsthaftigkeit vom Feuerreiter unterschiedet sich nur kaum von der der "Inferno und Ekstase", jedoch mit dem Unterschied, dass beim Feuerreiter zu Gunsten der logischen Linienführung die Passagen mit "karwendlischem" Fels überwiegen und sich die schwärmerischen Jauchzer wie in den 7er Längen der Inferno stark in Grenzen halten.

Wie Ralf schon in seiner Beschreibung sagt: "Dort wird die Qualität des Gesteins von der Qualität des hier gebotenen Abenteuers übertroffen." Jedoch würde ich bei der Route keinesfalls von einer Steigerung im Anspruch gegenüber der Route an der Grubenkarspitze oder am Laliderer sprechen. 


Infos für Wiederholer: 

 

- Etwa gleich Ernst wie die "Inferno und Ekstase", der Fels ist jedoch deutlich weniger begeisternd, teilweise etwas schlechter als im oberen Teil der"Magic Line". 

- Zusätzlich zu 14 Expressen haben wir in der 5. Seillänge einen C4 #0.5 und #0.75 vor dem ersten Bohrhaken, in der letzten Seillänge einen C4 #1 zwischen dem ersten und 2. Bohrhaken und C4 #2 zwischen dem 2. und 3. Bohrhaken gelegt. Sonst haben wir keine anderen Sicherungsmittel benötigt und wenn man im bröseligen 6er extrem sicher ist, kann man sich die Cams wohl auch ganz sparen.


-Das finden der Bohrhaken oder der Route war nie ein Problem (ganz im Gegenteil zur Magic Line...), nur in der 8. Seillänge steckt der Haken vor der Rechtsquerung mal sehr hoch.


- Die Route trocknet extrem schnell ab. Bei uns hat es am Vortag bis ca. 2 Uhr geregnet und bis in die frühen Morgendstunden sind Nebelfelder in der Wand gehangen. Trotz keiner Sekunde Sonne in der Route war alles bis auf die ersten beiden Seillängen trocken."

Topo und Infos beim Erstbegeher


Facts: 600m mit Vorbau/ 13 Sl klettern/ IX- frei/ VII+ obl. plus Cliff notwendig/ 60m Doppelseile!!!/ 13 Expressen/ mittlere Friends


am 21. September 2015 mit Martin Feistl

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