Bloody Old Men 900m VIII+ E 2

AT/ Loferer Steinberge/ Rothorn 2409m Nordwand

Lange Tour mit netten Kletterstellen aber vielen rustikalen Passagen

Bei der auch als "Rothorndirettissima" bezeichneten Linie durch die Nordwand des großen Rothorns in den Loferer Steinbergen handelt es sich um eine 26 Seillängen und 900 Klettermeter lange "Longline" von Adi Stocker. Nachdem mich die "EndeNie" schon vor zwei Jahren - allerdings viel zu früh im Jahr bei Schnee und Nässe- begeistert hatte, ging es am 3. August 2015 in die kürzere dafür aber stellenweise freiklettermäßig schwerere "Bloody Old Men". Eine wirklich erfüllende, nicht nur tagesfüllende Route, sofern man keine reine Sportklettertour erwartet. Diese typische Loferer Riesentreppe bietet immer wieder einige coole Längen, ist aber oftmals leicht, sodass man zügig vorankommt. Zusammen mit langem Zu- und Abstieg eine alpin angehauchte Longline. Hierzu nun der Bericht:

Nachdem wir unsere Fahrräder Sonntag Abend am großen Wanderparkplatz in St. Ulrich, Pillersee deponiert hatten, biwakierten wir am Ausgangspunkt Aschertal, 1km vor dem Gasthof Strub zwischen Waidring und Lofer. Zufälle gibt´s: Eine halbe Stunde später kam noch eine weitere Seilschaft mit dem gleichen Routenziel angefahren und so gab es noch ein wenig Alpingespräch und Gösser. Lustiger Weise waren unsere Gefährten keine Unbekannten und hatten sich auch die Bloody Old Men als Ziel ausgedacht. Die Überlegung fiel auf die nagelneue "Nordlicht" als Ausweichprogramm, aufgrund der leichteren Seillängen wollten wir uns diese aber als schöne Herbsttour aufheben. So ging es am Montag um 5 Uhr die endlosen Serpentinen bis zum Ende, woraufhin der Jägersteig abzweigt. Dieser ist landschaftlich wunderschön und man gelangt (teilweise durch hohes Gras) unter die schon lange sichtbare Nordwand des Großen Rothorns. Links des Geröllfelds den Wiesenhang hinauf bis in die nach rechts hochziehende Schlucht.

Ca. 50hm weiter oben der gespaltene Block, dahinter ist auf kleinem Absatz der Einstieg. Zustiegszeit 2-2,5h, gut zu finden dank der super Beschreibung von Adi Stocker. Da unsere Gefährten uns den Vortritt ließen, kletterten wir zügig los, mit hinreichendem Abstand in der leicht schräg ziehenden "Direttissima" erschienen uns allen zwei behutsame Seilschaften vertretbar. Kaltstart in der nassen ersten Länge. Diese war etwas undankbar glitschig, aber schnell gewöhnten wir uns an die eher rutschigen, moosigen Vorbaulängen. Sl 4 seilfrei/ parallel wegen Steinschlaggefahr durch schleppendes Seil rechts haltend über das Schuttband. Sl 5 an super henkligem Fels zur von Adi Stocker so genannten Halluxplatte der Sl 6 - mit Liebe zum Detail wurden den einzelnen Etappen der Tour Namen gegeben - mehr dazu und zur Geschichte von Stockers Longlines findet man online in Beiträgen von Bergundsteigen.at! 

Hier wirklich schöne, feste Kletterei. Sl 7 und Sl 8 ebenfalls kompakt mit schwerer Einzelstelle. Sl 9 (7-) ist etwas anhaltender und öfter nass. Konzentration, man überklettert eine große, lockere Schuppe. Sl 10 und Sl 11 zusammenhängend an schönem Riss 55m weiter. Sl 12 bis Sl 15 ebenfalls mit Einzelstellen gespickt geht es dem kompaktesten Teil dieser Rampe weiter. Sl 16 super Verschneidungs-/ Risskletterei an super Fels. Sl 17 Eiertanz über Geröllband zu breiter Rissverschneidung, interessante alpine Kletterei und weiter bestens gesichert. Die Absicherung ist mit E2 stimmig beschrieben, weitere Zwischensicherungen haben wir keine gebraucht, dennoch gibt es einfach geländebedingte Flugverbotszonen. Alpines Sportklettern eben...

Für Sl 18 nahmen wir uns viel Zeit, damit wir beide die Schlüsselstelle rotpunkt klettern konnten. Der kleine Überhang ist super gesichert, aber splittrig. Der entscheidende Henkel, von welchem man hochmanteln muss, wirkt auf den ersten Blick etwas unsolide.

Solange dieser hält, kann man locker eine freie Begehung versuchen. Diese anstrengende Einzelstelle bietet jedenfalls coole, athletische Züge mit Stehproblem. Im Vergleich zu anderen zuletzt gekletterten 8er Stellen vor allem im Kaiser ist die Bewertung 8+ eher sehr milde. In jedem Fall wäre die Stelle 6+/A0 möglich. Über Sl 19 und Sl 20 gelangt man nach rechts zu wunderschönem Fingerriss (Sl 21/ 7-). Sl 22 verläuft direkt das Band nach rechts in die markante Rinne, ein wenig anders als im Topo eingezeichnet! Von hier noch zwei Seillängen in teils brüchigem Fels links haltend zu Ausstieg. Von dort seilfrei 40m zum Gipfel. Da die Route derart inhomogen ist, konnten wir dank vieler leichter Passagen den Gipfel in 5,5h erreichen. Teilweise muss man jedoch sehr vorsichtig und konzentriert klettern, um gegebenenfalls nachfolgende Seilschaften nicht zu gefährden. Insbesondere am Ende der 17 Länge warten einige Brocken, von denen man denkt, sie sind viel zu groß und schwer, als dass sie runterfallen könnten - doch sie liegen auf Kugellagern...

Der folgende Abstieg über den Nurracher Höhenweg macht diese Route definitiv zu einer Longline. Der Weiterweg zum Heimkehrerkreuz in ständigem Auf und Ab verlangt nochmals große Aufmerksamkeit, bevor es steil bergab und über unendliche Serpentinen nach St. Ulrich geht. Man bewegt sich hier in der prallen Sonne inmitten von Latschenfeldern. Hier haben sich vermutlich den Erstbegehern die Beschreibungen wie Arthrosenverschneidung, Patellapfeiler und Voltarenabstieg eingebrannt. Wer also denkt, man könnte nach einer Nordwandtour keinen Sonnenstich bekommen, der irrt. Der Alternativabstieg über die Zwölferscharte wurde als derart "ungut" exponiert und schottrig beschrieben, dass wir ihn mit erwartet müden Beinen nicht als erste Wahl gehen wollten.

Fazit: 1700 Hm, 900 Klettermeter auf 650 Hm Wand. 24 Seillängen, VIII in einer Länge, mehrmals VII, meist VI, vielfach auch leichte Meter. Langer Zustieg und Rückweg zum Ausgangspunkt. 24 Seillängen - davon eine seilfrei/ wegen Geröll auch sinnvoll (Sl 4), 2 problemlos zusammenhängbar 10&11), einige kurz. E2, Stände je zwei Expressanker, sodass man wenn man dem Grad VI beim Raus-Mantle von Band zu Band entspannt gegenübersteht, keine mobile Zwischensicherung legen muss. 10 (lange) Expressen reichen. Auch sehr gnädig bewertet - im Kaiser wär alles einen halben grad niedriger angesetzt und anhaltender. Hier schwer durch Länge der Gesamtunternehmung (bei beabsichtigt zügigem Tempo waren wir mit Radrückweg durch Raddepot in St. Ulrich 12 Stunden unterwegs, Kletterzeit 5:30h). Klettern ist nur das Eine - die Tour macht man gedanklich besser als große, einsame Bergtour in wunderschöner Natur mit einigen guten Kletterstellen in typischem Gelände dieser Region.

900m 6+A0/ 8 frei/ E2/ 24 Sl

Topo und Infos bei Adi Stocker


Begehung am 3.8.15 mit

Julius Kerscher