Predigtstuhl Direttissima 300m VIII E 3 Wilder Kaiser

AT/ Wilder Kaiser/ Predigtstuhl 2116m Westwand

Sanft sanierter, empfehlenswerter Rissklassiker im Wilden Kaiser

Nach den letzten modernen und oft plattigen Mehrseillängen im Karwendel freute ich mich sehr, am 21.07.15 mal wieder richtig klassische und kräftige Kletterei im Kaiser zu genießen.

 

Zusammen mit Julius Kerscher fiel die Wahl auf die Predigtstuhl Direttissima, ein anstrengender Klassiker durch die Risslinie im linken Teil der Westwand. Genau richtig bei den hohen Temperaturen aktuell.

Wir quälten uns zum wiederholten Male die Steinerne Rinne hoch, diesmal bei 37°. Klatschnass machten wir Rucksackdepot unter der Wand.

 

Mit wenig Gepäck kletterten wir die ersten drei Seillängen eine leichte Rampe II-III seilfrei zum Einstieg an einem Klebehaken. Dieser befindet sich ca. 5m links der "Spiel der Narren" hinter einer Kante. Der Zustieg ist sehr ausgesetzt, deswegen sind einige neue Klebehaken vorhanden.

Die erste Seillänge ist perfekt zum Aufwärmen, an super Henkeln die kurze Verschneidung hoch auf einen kleinen Pfeilerkopf (25m VI-). Sodann einen 45m Riss weiter, für eine VI anspruchsvoll, Zwischenstand nach 30m ist möglich.


Zu Sl drei vom Stand weg 5m nach links queren. Der Einstieg in den nächsten Riss ist großgriffig, hier aber unbedingt links halten. Die große Henkelschuppe auf der rechten Seite ist hohl und bereits gebrochen, große Gefahr! Auch in dieser Länge geht es streng zur Sache, anspruchsvolle VI+, einige kleine bis mittlere Friends zwischen den Klebehaken notwendig. Die seichte Verschneidung setzt gute Fußtechnik voraus, besser wäre es jedoch, einen Faustklemmer zu beherschen. Am zweiten Klebehaken kommt ein Längenzug nach rechts über die Platte in den rechten Riss. Wer diesen Übergang verpasst, landet in der ernsten "Bellissima 8, E4", welche gerade hochzieht. Die letzten Meter zum Stand sind etwas brüchig.

Die vierte Seillänge bietet schöne Wandkletterei an teilweise kleinen Leisten, geht steil und kleinsplittrig zu einem kleinem Überhang. Dieser wird an nach oben hin größeren Griffen überwunden, allerdings pumpig und psychisch anspruchsvoll, da zwar viele aber dafür relativ schlechte Normalhaken stecken. Gefährlich wird es aber dank der hinzugefügten Bohrhaken nicht.

Die fünfte Seillänge geht als Piaz links ansteigend an guten Griffen ums Eck. Danach links leicht absteigend die Platte queren, für große Leute leichter. Hier ist Bewegungsgefühl gefragt, sonst endet man als offene Tür und kippt raus.

 

Die nächste Sl ist die Schlüsselseillänge, welche mit VIII bewertet ist. 1982 wurde die ehemals technische Hakenkletterei erstmals von Heinz Mariacher rotpunkt geklettert. Entsprechend hart ist also dieser Schwierigkeitsgrad zu beurteilen.

Die ersten Meter einen seichten Riss hoch, dann kann man gut schütteln, bevor es überhängend an Untergriffen weitergeht. Dies fand ich extrem pumpig, aber die schwerste Stelle ist erst danach. Man kommt mit dicken Armen an einen brüchigen Überhang und muss diesen an zwei kleinen Seitleisten voll hochpressen. Hier Füße ausspreizen! Die letzten Meter zum Stand sind dann wesentlich leichter, aber mit einigen lockeren Schuppen.



Hier sind die Hauptschwierigkeiten vorbei, man klettert einen leichten Riss an super Fels ausgesetzt dem Himmel entgegen. Es bietet sich an, die letzte reguläre Seillängen zum Oppelband mit eben diesem zu verbinden, lange Schlingen verwenden (zusammen 40m). Von dort in 45m an zwei Standplätzen vorbei direkt zum Gipfelkreuz. Abseilen über den Botzong-Kamin mit 60m dreimal oder 20m achtmal.

 

Facts:

Predigtstuhl Westwand Direttissima

UIAA VIII (hart) oder VII-/A0 E3+

Cams 0,25 - 3 nötig

300m 10 Sl bis Gipfel

Kletterzeit 4-6h


E3! Entweder VIII frei, dann sollten die recht alpinen 6er Seillängen kein Problem sein. Hier ca. 2-3 Klebehaken pro Seillänge mit einigen Normalhaken dazwischen. Komplettes Set Friends nötig.

Wer die Route technisch begehen möchte, kann zwar die schweren Längen an den Haken nullern, aber die 6er sind dann die größere Herausforderung, 6+A1.


Das detailgetreu nachgezeichnete Topo von Julius Kerscher während unserer Begehung am 21.07.2015