Schatten der Sphinx 1100m VIII- E 2

AT/ Karwendel/ Plattenspitze 2492m Nordwand

Sussmann - Longline durch die Plattenspitze Nordwand im Karwendel

Leo in der dritten Sl 6+/7-, darunter zu erkennen die Randkluft
Leo in der dritten Sl 6+/7-, darunter zu erkennen die Randkluft

Am Samstag, den 11.7.15 stand ich gemeinsam mit Leo am frühen Nachmittag am Ausstieg der "Im Schatten der Sphinx" der Plattenspitze Ostgipfel Nordwand. Ein sehr zufriedenes Gefühl machte sich breit, da ich die Trilogie der drei Sussmann Longlines innerhalb von zwei Wochen klettern konnte. Inferno & Ekstase am 25.6.15 und Magic Line am 1.7.15 jeweils mit Martin. Gefolgt nun von dieser klettertechnisch einfacheren aber doch ebenfalls anspruchsvollen Route durch teilweise alpinen Fels. Wahnsinn!

 

Zuerst mal ein großes Dankeschön an Ralf Sussmann für die unermüdliche Arbeit, diese Meisterstücke zu finden und einzurichten.

 

Es bietet sich die Anreise am Vorabend mit einer entspannten Biwaknacht am Parkplatz an. Da alle Routen in der Eng aufgrund des sehr langen und anspruchsvollen Abstieges tagesfüllende Unternehmungen sind. Wir starten bereits um 4.30 mit Wasserbauch, um weniger Flüssigkeit mitnehmen zu müssen.

Der Zustieg ist doch dankbarer wie beschrieben. Im Grund des Ahornbodens geht es gleich nach dem Wasserfall links linkshaltend durch hohes Gras mit Moos (teilweise matschig) zum bewaldeten Gratrücken und diesen hoch zum Kessel unterhalb der schon sichtbaren Nordwand. Diesen geht es am rechten Rand hoch, dann linksquerend durch die Altschneefelder hindurch. Hier hat es teilweise bis August eine zu überwindende Randkluft, große Vorsicht wegen Einsturzgefahr!

 

Wir fanden schnell den optimalen Weg und standen nach 1,5h am Einstieg, welcher mit einem gefädelten Stein an Bohrhaken markiert ist. Hier stellte ich mit Entsetzen fest, dass die Redbull Dose im Rucksack geplatzt ist und dabei Kletterschuhe und Chalkbag versaute. Nun ging es also ohne Chalk und mit vollgesaugten Schuhen los. Die ersten beiden Sl gleich zusammenfassend ging es die dritte und vierte Sl über plattigen, kletterfreundlichen Fels im leichten Zickzack durch den kompaktesten Teil.

Da die fünfte Sl nur 4 Bohrhaken hat, verlängerte ich und konnte die sechste gleich noch dranhängen, lange Exen unbedingt notwendig! Die ursprüngliche 8- würde ich, wie auch im Blog von Tom Lipp auf 7 oder 7+ abwerten, zumal es nur ein kleiner Aufschwung von 3m ist. Die siebte Länge war unserer Meinung nach die schönste, da etwas steiler und griffiger als der Rest der Route. Daraufhin legt sich die Wand etwas zurück und es geht über sehr glatte, helle Platten in drei 58m Längen weiter. Hier sind die Bohrhaken teilweise schwer zu erkennen, die Standplätze jedoch sind mit bunten Geschenkschleifen markiert.

 

Der folgende Aufschwung bietet abwechslungsreiche Kletterei an Kalk mit kurzen Einlagen an Sandstein. Die brüchigen Passagen und lockeren Schuppen sind durch sehr gute Absicherung aber entschärft.

In zwei leichten Sl hoch zu einem Band, hier ist links eine ungemütliche Höhle für den Notfall.

Sl 16 und 17 bieten nochmal abwechslungsreiche, etwas steilere Wandkletterei an festem Fels. Danach wird es schlagartig sehr karwendlig. Die 18te Länge durch splittrige Platten verlangt gute Fusstechnik und Bewegungsgefühl, da die meisten Griffe ausbrechen könnten! Hier aber auch sehr gute Absicherung, sodass man locker frei klettern kann.

 

Das Wandbuch vor der SSL ist leider aufgeweicht und müsste erneuert werden. Im Gipfelbuch der Eiskarlspitze lasen wir aber, dass dies schon die dritte Begehung im Jahr 2015 ist.

Die 8- war nicht wie erwartet die schönste, aber spektakulärste Seillänge. Gutes Bewegungsgefühl ist gefragt, da es leicht links ansteigend an einigen Seitgriffen die plattige, steile Kante hochgeht. Lief aber super, noch vorsichtig weitersteigen, in der Hoffnung nicht mitsamt Griffen und Tritten abzukratzen, dann war das onsight aller Längen geschafft. 

viel Luft in der Schlüsselseillänge (Sl 19 8-)
viel Luft in der Schlüsselseillänge (Sl 19 8-)

Danach befindet man sich endgültig im Karwendel und muss die letzten 250m durch ätzenden Bruch die beste Linie finden. Kletterzeit bis hier 8h. Wir haben wohl nicht den offiziellen Weg gefunden, oder zumindest nicht die dazugehörigen Haken. Mit etwas Konzentration ging es aber rechtshaltend die Kante zum Ausstieg. Geschafft! naja...

 

Erst hier wurde uns das Ausmaß des "sehr eindrucksvollen Abstieges" bewusst. Am Grat hinüber zur Eiskarlspitze über die Spitzkarspitze geht es in ständigem Auf und Ab durch brüchiges und rutschiges Gelände. Hier ist nochmal Kraxeln bis zum dritten Grad angesagt. Landschaftlich aber wunderschön, so rundet es das Gesamterlebnis dieser großen Tour perfekt ab.

Von der Hochglückscharte zuerst über Schneefelder, danach den schmalen Wanderweg zurück in die Eng. Ein Abseilen nach den Hauptschwierigkeiten kommt für uns nicht infrage, dann wäre die Route nicht geschafft ;)

Facts: 8-/ 6+ obl. 1100m/ 22 Sl

Zustieg 1,5h/ Wand 8h/ Abstieg 5h

 

Topo und Infos direkt bei Ralf Sussmann

 

Daniel Mohler www.bergfotografie.de.to

unterwegs mit Leo Akinbiyi, München.

 

am 11.7.2015